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Winter im Waldzoo

Es ist Sonntagmorgen und es schneit. Ganz sacht nur und in winzigen weißen Flöckchen. Sie legen mit ihren weißen Kristallen einen wunderbaren Zauber über die Stadt.

Noch schlaftrunken kann ich vom Bett aus die verschneiten Dächer der gegenüberliegenden Häuser sehen und beobachten, wie die Schneeflocken von oben herab tanzen.
Eine Weile liege ich noch sonntagsfaul im warmen Bett und tanze mit den Augen, wie die kleinen Flöckchen am Himmel. Kindheitserinnerungen werden wach, Schlittenfahren und Schneeballschlacht.
Und während ich so in Gedanken mitschwebe, packt es mich plötzlich und ich will raus in dieses zauberhafte Treiben. Raus in die frische klare Luft. Ich will spüren, wie die Schneeflocken auf meinen Wangen schmelzen und ich will verträumte Pfade im Schnee und Bäume mit weißen Mützen.

Doch wo findet man auf die Schnelle den romantischen Winterzauber in einer Stadt mit großen Häusern und breiten Straßen?

Fest steht, ich will nicht erst lange mit dem Auto fahren, irgendwohin, denn eins habe ich diesen Winter erfahren, diese weiße Winterpracht kann schon in ein paar Stunden wieder vorüber sein. Es ist erst das zweite Mal in diesem Winter, das es der Schnee geschafft hat, sich zwischen die Häuser unserer Stadt zu legen.

Aber ich will jetzt  Winter-Wunderland und Schnee und … und manchmal kann ich ganz schön störrisch sein. 😉 Und so fällt mir dann zum Glück unser Thüringer Waldzoo ein.
Der kleiner Waldzoo, von den Geraern auch gern Tierpark genannt, liegt im Martinsgrund. Das Tal umfasst ein Stückchen vom Stadtwald am westlichen Rand von Gera. Der Zoo liegt damit perfekt, denke ich bei mir, mitten im Wald, nah genug an der Stadt und er ist hoffentlich tiefverschneit,
Voller Vorfreude, bin ich  dann auch in ein paar Minuten startklar und bereit, genau das herauszufinden.

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Wenig später empfängt mich das EIngangsportal des Tierparks mit offenen und weißbepuderten Armen.
Meine Erwartungen sind nicht hoch, ich rechne nicht mit allzu vielen Besuchern an diesem kalten Sonntagvormittag. Und auch die Tiere werden wohl lieber in ihren Ställen schlummern, aber ich freu mich und will einfach nur hier im Waldzoo durch diesen Wintertag bummeln und Schneeflöckchen mit meiner Kamera einfangen .

Doch schon kurz hinter dem Eingangstor zeigt sich mir wunderschöner weißer Winterwald und ich bin auf der Stelle verzaubert. Das hatte ich so nicht erwartet.

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Zuerst begegnen mir nur ein paar Enten in einem kleinen Teich und wie immer, wenn ich diese Vögel in dem eiskalten Wasser sitzen sehe, fröstelt es mich. Ich könnte das nie….ich meine, bei diesen Temperaturen im Eiswasser sitzen.
Nicht weit vom Teich begrüßt mich dann ein hölzernes Schneehäschen und, mehr und mehr versinke ich in dieser so schön verschneiten Zauberwelt.
Ich atme bewußt langsam diese reine Luft ein, die meine Lunge mit einer belebenden Frische füllt. Und immer wieder schaue ich hoch in die Baumwipfel und genieße es, das der herabfallende Schnee mir in den Augen kitzelt.

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Als ich später doch ein Tier in einem Außengehege sehe und es noch dazu ein Känguru ist, bin ich völlig fasziniert. Ausgerechnet ein Känguru… im Schnee…in Gera… jetzt… und sofort klickt meine Kamera.

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Durch das Klicken des Auslösers hat mich das Känguru hinterm Zaun entdeckt und es scheint leicht irritiert zu sein, mich hier zu sehen. Beim zweiten Klick denke ich wiederum: “ Da guckst du wohl,du Känguru, ich bin auch irritiert. Du hier im Schnee!?“
Aber die Aufmerksamkeit des Kängurus ruht nicht lange auf mir, ich bin eindeutig nicht so interessant, wie der Neuschnee und es widmet sich wieder der Futtersuche.

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Auf Futtersuche sind auch diese Zwei und sie würdigen mich zuerst keines Blickes und auch der Schneefall beeindruckt diese Lamas scheinbar garnicht. Ich dagegen, genieße es mit jeder Minute mehr und mit jedem Klicken meiner Kamera intensiver.

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Ich schaue ihnen noch eine Weile beim Fressen zu, die Nasen im Schnee und immer dicht an dicht. Ich bewundere auch, wie die Schneeflocken auf ihrem dicken braunen Fell landen und dort im Gegensatz zu meinem Gesicht viel länger liegen bleiben, ehe sie dahinschmelzen. Ich stehe ziemlich lange bei den Lamas und obwohl nichts aufregendes passiert, wird es mir nicht langweilig. Ich freu mich einfach viel zu sehr, die Tiere hier draußen im Schnee beobachten zu können.
Am Ende wird meine Geduld sogar belohnt. Familie Lama kommt gemächlich an den Zaun getrapt und gibt mir bereitwillig ein Portraitshooting. Zu gern möchte ich Ihnen durch ihre dichte Mähne wuscheln, doch das mögen sie garnicht und kehren mir schnell den Rücken zu.

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Durch mein langes Fotografieren bei den Lamas neugierig geworden, stellt sich mir im Nachbargehege dann dieses „Schwarze“ Schaf vor die Linse. Ich muss zu meiner Schande gestehen, das ich mir nicht gemerkt habe, wie diese Schwarzkopf-Schafe heißen. Ich glaube, es sind Röhnschafe, aber ich bin so sehr im Schneezauber gefangen, das ich es mir nicht wirklich merke und nur schnell weiter will. Ich bin so froh, das sich mir soviele Tierparkbewohner trotz Kälte und Schnee zeigen. Das Röhnschaf wiederum ist wohl etwas traurig, weil ich nur kurz beim ihm verweile. Zumindest liegt in seinem Blick etwas Melancholisches, das mich anrührt und es klickt noch einmal, ehe ich weiter spaziere.

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In meiner Euphorie nehme ich nur am Rand wahr, das sich doch mehr Besucher im Wald aufhalten, als ich erwartet hatte. Im Streichelgehege sehe ich dann, das die Ziegen die menschlichen Gäste auch sehr spanndend finden. Neugierig und garnicht zögerlich wird alles beschnuppert und nach Futter inspiziert.

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Schnell wird die Ankunft der Menschen im Waldzoo von Tier zu Tier weiter gegeben. Und beim folgenden Schnappschuß konnte ich förmlich hören, wie die Ziege dem Kleinpferd zu meckert: „Guck, da sind `se wieder….diese Zweibeiner und in dem schwarzen Ding ist nicht mal Futter drin!“

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„Also nichts wie weg und ab durch die Mitte, denn ohne Futter sind diese Menschen völlig uninteressant für mich.Määhhhh…“

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Das Kleinpferd aber, das eben noch verträumt neben mir am Gatter stand, wollte dem Meckern der Ziege nicht so recht glauben und beschließt doch lieber selbst zu überprüfen, ob ich etwas Essbares in den Taschen habe. Und ich sage euch, das tat weh. Autsch!

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Ein anderer Ziegenbock bleibt dagegen von dieser Futtersuche völlig unberührt und scheint ganz vertieft in die stille Konversation mit seinem hölzernen Freund zu sein. Nicht umsonst hat er sich einen Platz auf dem Tisch gesucht, wohl um mit dem Pferd auf Augenhöhe zu sein. Leider kann ich euch nicht sagen, was die zwei sich Wichtiges zu erzählen hatten, es bleibt ihr tierisches Geheimnis.

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Ich setze meinen Rundgang fort und sehe, das die Kamele die Ruhe des Wintersonntags lieber unter dem Dach ihres Geheges verbringen. Nur kurz blinzelt das Kleinste zu mir herüber in die Kamera. Ich warte noch ein paar Augenblicke, aber es sieht nicht danach aus als wollten sie sich erheben. Wenn man dieses kleine Gehege so in Augenschein nimmt, kann man das auch verstehen, denn viel Auslauf haben die Kamele hier leider nicht. Vielleicht ist es nur ein Winterquartier, denke ich so und beschließe im Sommer wiederzukommen.

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An den kleinen Tierhäusern oben bei den Eulen angekommen, beäugt mich dieses Äffchen. Es will nicht raus ins Freie kommen, es mag die Kälte nicht und wirft mir nur einen fragenden Blick durch die Fensterscheibe zu. Als ich beim fotografieren im Spiegelbild der Scheibe mein Kapuzenfell erkenne, frage ich mich, ob sich der Affe darüber wundert, wieso ich das gleiche Fell um den Kopf trage, wie er.

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Im Freiluftgehege der Berberaffen gestaltet sich das Beobachten schon ganz anders. Diese Affen interssiert der Inhalt meiner Taschen überhaupt nicht und nicht mein Fell. Der kleine Kerl oben in den Bäumen, hat schon gefunden, was ihm schmeckt. Er beobachtet mich eher skeptisch, so als käme ich hoch auf den Baum, um ihm sein Futter streitig zu machen. Das wäre mal ein Spaß… ich schwingend von Ast zu Ast.  🙂

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Als ich mit dem Sucher auf die nächste Szene halte, bin ich zum zweiten Mal an diesem Tag irritiert, scheint es doch so, als würde das Äffchen seinen Kopf unterm Arm tragen. Etwas das bei uns Menschen ja hin und wieder auch vorkommt, stimmts!?

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In dem Gehege der Berberaffen gibt es viele Fotos zu schießen und wenn ich Affen fotografiere, stelle ich mir oft die Frage, wer hier eigentlich wen beobachtet. Mit ihrer uns Menschen ähnlichen Mimik fühlt man sich oft durchschaut …… kennt ihr das auch !?

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Mein Blick folgt dem des Affens, nach oben in den Himmel, von dem unaufhörlich weiße Flocken fallen. Immer wieder muss ich sie von meiner Jacke schütteln, damit mich die weiße Pracht nicht durchnässt. Und trotz all des Winterzaubers im Waldzoo spüre ich nun doch die Kälte in den Gliedern oder lässt einfach das Knipseradrenalin nach, wie ich oft scherzhaft anmerke, wenn ich mit der Kamera unterwegs bin.
Ich bin nun schon einige Zeit hier im Tierpark, zeigt mir mein Blick auf die Uhr, aber dann denke ich an das Sichten dieser schönen Eindrücke Zuhause und es wird mir wieder ganz warm ums Herz, also spaziere ich weiter.
Ich komme in den oberen Teil des Tierparks, in dem der Orkan Fredericke für mächtige Aufregungen unter Tieren und Menschen gesorgt hat. Das ist der einzige Wehmutstropfen an diesem Tag. denn der Orkan hat im Waldzoo große Schäden hinterlassen.

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Es ist umso erstaunlicher, das mich heute im Martinsgrund eine friedvolle Stille umgibt, in der der Schnee die Wunden des Parks sanft bedeckt. Selbst die Tierparkbewohner, so scheint es zumindest,, haben den schlimmen Tag schon wieder vergessen. Etliche Bäume wurden ausgerissen durch den Orkan, sie durchschlugen Gatter und Absperrungen. Die Rehe jedoch blicken jetzt ungeachtet der niedergedrückten Zäune, ohne Scheu zu mir herüber.
Ein Steppenfuchs blickt ganz zutraulich in meine Kamera. Er präseniert sich voller Stolz in ganzer Schönheit, so als wollte damit zeigen: Seht her, ich bin noch hier, während ein Silberfuchs durch das Unwetter leider verloren gegangen ist. Oh ja, es gibt noch einige Geschichten vom Waldzoo…

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Im nächsten Gehege werde ich zuerst angeknurrt und ich trete sicherheitshalber einen Schritt zurück. Doch als dem Luchs klar wird, das von mir und dem schwarzen Ding, das mir um den Hals baumelt, keine Gefahr droht, legt er sanft seinen Kopf zur Seite und erinnert mich eher an eine Schmusekatze, als an ein Raubtier.

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Doch der Schein trügt. Der Luchs schreitet kraftvoll am Gatter entlang, jeder Muskel zum Angriff bereit und mit niedlicher Miezekatze ist das nicht mehr vergleichbar. Sein gelegentliches Fauchen ist noch leise zuhören, als ich schon weiter und auch fast am Ende meines Winterspaziergangs bin.
Etwas versteckt durch eine dicke hohe Steinmauer, erwische ich aber noch den berührenden Blick eines Lamas, das seinen Platz mit vielen Eseln und Ziegen teilt. Unsere Blicke treffen sich, als es von unter an der Mauer zu mir hochschaut. Das Lama scheint mich anzulächeln und ich möchte in seinen Augen lesen: „Schön das du uns heute besucht hast, Mensch. Danke!“

Winter im Waldzoo-Fotografie Silvia Bürger
Es macht Klick, der Auslöser meiner Kamera fängt diesen Moment ein und ich flüstere leise zum Abschied: “ Ich danke dir, liebes Lama, es war sehr schön für ein paar Stunden in eure verschneite WInter-Waldzoo-Welt einzutauchen.“

*

Vielleicht habt ihr jetzt auch Lust auf einen Winterspaziergang im Waldzoo Gera. Ich kann den Tierpark jedenfalls, auch im Winter, wärmstens empfehlen und eins ist ganz gewiss, die Tiere werden es euch danken.

Mit lieben Grüßen bis zum nächsten Fotospaziergang
silvia bürger-fotografie