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Sonntagsspaziergang

Winter am Fluss-Fotografie Silvia Bürger


… es  gab frischen Neuschnee über Nacht und mich locken die Männer nach draußen.
Diese kleinen,dicken Männer mit dem breiten Grinsen im Gesicht, den weißen Bäuchen und den weit ausgebreiteten Armen. Sie warten auf mich, draußen in der Stadt und unten am Fluss. Es ist Sonntag, früher Nachmittag und ich folge ihrem Ruf zu einem Sonntagsspaziergang.

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Überall stehen sie parat, die weißen Männer mit den kalten Nasen, erbaut von warmen Kinderhänden unter fröhlichem Lachen. Dicke lustige Schneemänner und heute ist ein idealer Bautag. Es gab in großen schweren Flocken neuen Pappschnee über die letzten Stunden hinweg und die Temperaturen liegen um die Null Grad. Das lockt Kind und Kegel hinaus auf die Straßen und Hänge, zum Schneemann bauen und rodeln. Ein paar Meter vor mir ziehen die ersten Väter ihre Sprößlinge mit den Schlitten über die Brücke am Fluss, der Spaß beginnt.

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Es liegt eine frische Schneedecke über der Stadt und alles erscheint ruhiger, sanfter und irgendwie stiller als an anderen Tagen, denke ich so im Schlenderschritt. Ich bin warm eingepackt in Mütze, Schal und Stulpen und nur ab und zu verirrt sich eine Schneeflocke auf meine Nasenspitze. Dort landet sie weich und taut schnell weg. Die Tautropfen kitzeln mich, während sie mir über die Wangen laufen.
Ich habe die Kamera noch im Rucksack und will eigentlich einfach nur mal so den schönen Schneesonntag genießen und nicht fotografieren, aber man weiß ja schließlich nie, was einem so vor die Linse kommt….  😉
Und siehe da, schon keine 15 Minuten später, nachdem ich den Lockrufen der Schneemänner gefolgt bin, finden sich auch schon die ersten Fotomotive im Küchengarten von Schloss Osterstein .

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Eine reizvolle Magnolienblüte öffnet für mich ihr Mäntelchen, trotz der Kälte und sie zeigt stolz ihr kleines Eiskrönchen. Ich hatte nicht vor zu fotografieren, ihr wißt ja, doch es erwischt mich gnadenlos. Ich habe die Blüte von allen Seiten abgelichtet , von oben und von unten und handle mir schon komische Blicke der anderen Spaziergänger ein, die mein Treiben kopfschüttelnd verfolgen. Aber ich ?!….ich bin verzaubert.

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An anderer Stelle trägt ein vereinzeltes Laubblatt schwer am nassen Schnee, doch es hält sich tapfer, lässt nicht los. Der seichte Wind bringt es mit jedem neuen Hauch zum Erzittern und lässt es tänzeln. Ich genieße dieses Windspiel, in dem ich für ein paar Augenblicke lang vollkommen in dieser Szenerie versinke. Würde ich nicht in der Ferne die kreischenden Kinder hören, die den Abhang im Park herunter rodeln, ich könnte jetzt jedes Gefühl für Raum und Zeit verlieren. Die Natur schläft in Eis und Schnee, ich kann sie darunter leise atmen hören.

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Wenig später, treffe ich erneut auf einen der frostigen Gesellen und schaue eine ganze Weile den Kindern zu, die voller Begeisterung immer noch größere Kugeln heranrollen und ganze Familien aus Schnee erwachsen lassen. Längst vergessene Kindheitserinnerungen werden plötzlich in mir wach und auch ich kann jetzt nicht anders und setze einem Schneemann mit viel zu kahlem Kopf, eine schicke Bommelmütze auf sein Haupt . Dann stapfe ich mehrmals um den Schneemann herum, begutachte mein Werk und knispe auch hier wieder von allen Seiten und muss plötzlich schmunzeln. Ich wollte doch garnicht fotografieren 😉

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Auch auf der Brücke kribbelt es mir schon wieder in den Fingern, die jetzt immer Abschuß bereit auf dem Auslöser liegen. Und ich bin an diesem Sonntagnachmittag wirklich nicht die Einzige, die sich der weißen Pracht durch den Kamerasucher nähert. Im Küchengarten, gab es fast Gerangel um die gute Plätze für frische Schneefotos. Nur zu verständlich, denn Schnee in der Stadt und an einem freien Sonntag noch dazu, das gibt es nicht so häufig und das milde Wetter, macht das Fotografieren zusätzlich angenehm.

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Weniger angenehm empfinde ich dagegen den Anblick der Enten im leicht angefrorenem Fluss. Sie tummeln sich auf dem Eis und waten gemütlich durch das Wasser. Und wie jedes Jahr, wenn ich dieses Schauspiel beobachte, schüttelt es mich förmlich, wenn ich mir meine Füsse in diesem Eiswasser vorstelle. Oh man… lieber schnell weiter gehen…..

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 Auf der anderen Seite der Brücke entdecke ich dann riesige „Sterne “ im Schnee und mit diesem Foto hier, gelingt mir doch tatsächlich auch endlich ein erstes perfektes Schneesternchen, oder was meint ihr !? 😉 

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Und passend zum Sternchen findet sich an der nächsten Häuserwand ein verträumtes Tannenbäumchen und wie es da so steht in Glanz und Gloria, werde ich das Gefühl nicht los, das es glaubt, es sei das allerschönste Bäumchen weit und breit und ich denke…. es hat recht ! Es ist das Schönste ! Hier und Jetzt !
Vor meiner Haustür lagen schon die ersten traurigen Tannen in den Müllcontainern, ohne Schmuck und Lammetta, abgenadelt und ausgemustert, bereit zur Abholung.

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Ach ja, Weihnachten….Es  ist auch schon wieder so lange her, der Alltag hat uns längst zurück und der Schnee wäre zum Fest noch so viel schöner gewesen, als heute. Aber ich will nicht undankbar sein und tauche wieder hinab in den Zauber eines Sonntagsspaziergangs in der Stadt unten am Fluss.

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An jeder Ecke findet sich ein Motiv zum Fotografieren, doch meine Fingerspitzen werden trotz der warmen Strickstulpen langsam kalt, meine Augen tränen vom angestrengten Sehen durch den Sucher und mein warmer Atem lässt bei jedem Hauch das Kameraobjektiv beschlagen. Sehen ist eben nicht so leicht, wie es aussieht, denke ich mal wieder und ich kann garnicht mehr sooft die Luft anhalten, wie ich auslösen möchte 😉

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Nur ein letztes Foto noch, sage ich mir, als ich zartes Grün und erste Spitzen für ein scheinbares Frühlingserwachen an ein paar Zweigen entdecke. Das will so garnicht in diesen kalten weißen Schneezauber passen. Und da drüben… da muss ich auch noch kurz hin, denke ich und schwenke die Kamera Richtung Flussufer.

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Und so hocke ich dann hochkonzentriert ganz dicht am Wasser, als mich eine schnelle Bewegung von meiner Flusslandschaftsszene ablenkt. Ein kleiner Beagle tobt ausgelassen durch den Schnee, direkt an mir vorbei. Ich richte mich auf, verfolge kurz seine Freudensprünge. Fast bin ich neidisch auf seine ungestüme Ausgelassenheit, wippe dann aber lediglich mit den Zehen in meinen Winterstiefeln auf und ab, und hocke ich mich dann wieder in meine vorherige Position in den Schnee zurück und fokussiere erneut den Fluss.

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Nach gut 3 Stunden Sonntagsspaziergang bin ich am Ende erfrischt, erfroren und glücklich. Und dafür, das ich die Kamera nur für den Fall der Fälle ( ihr wisst schon… ) mit genommen hatte, sind ja doch so einige Schnappschüsse zusammen gekommen. 😉

Es war der erster Fotospaziergang im neuen Jahr und ich hoffe ihr wart wieder gern mit dabei.
Ich wünsche euch noch einen schönen Tag

mit lieben Grüßen silvia bürger-fotografie

6 thoughts on “Sonntagsspaziergang

  1. Peter says:

    danke schön! Für die Bilder und die Worte …

    • Silvia Bürger says:

      Ich danke dir Peter.
      Liebe Grüße Silvia

  2. Christine Lemser says:

    LiebeSilvia,
    ich war wieder gern dabei, mit Dir durch den Schnee zu stapfen, Deine wunderschönen Bilder zu sehen.
    Es ist nicht leicht zu sehen, es wird auch anstrengend mit der Zeit. Aber es ist so toll das Sehen und Erleben im Moment und wenn man die Bilder dann im „Kasten“ hat, vergißt man sie nie mehr. Der nächste Schritt: man beschreibt das Gesehene, vergißt Zeit und Raum und bemerkt, was das alles mit einem macht: Glück, Spannung, Freiheit zur Entscheidung, Motivation, Erholung…und Du kannst Dich gänzlich anders, froh und leicht wieder anderen gegensätzlicheren Dingen widmen. Es hat etwas mit Dir gemacht und mit allen, die Dich begleiten. Du hast eine große Gabe, etwas von Deinem Glück zu vermitteln.
    Dankeschön Christine

    • Silvia Bürger says:

      Liebe Christine, ich bin wieder tief berührt von deinen so schönen Worten.Sie liegen wie Balsam auf meiner Seele und streicheln mein Herz.
      Ich danke dir sehr,das du dir die Zeit genommen hast und die Muse hier zu schreiben und mich lächelnd zu machen.

      Liebe Grüße Silvia

  3. Chrischi says:

    Wunderschön, Schnecke!!!

    • Silvia Bürger says:

      Das freut mich sehr meine Süße.
      LG SILVIA

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