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Schwarz in LE – das Szenario

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>>>>>Wave Gothik Festival in Leipzig<<<<<

Hast du heute Lust auf eine Zeitreise ? Dann komm mit mir. Ich führe dich in eine andere Welt ! >>>>>>>>>>>

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Ich weiß garnicht wo ich anfangen soll, ich bin immer noch so überwältigt von dieser fast surrealen Reise, die so harmlos begann.
Ich wollte nach Leipzig, zum WGT, dem sogenannten Wave Gothik Treffen. Nur mal eben so, um „Leute knipsen“ zu üben. Hier darf man das, ungefragt und ungeniert, wurde mir erzählt und das die Teilnehmer dieses Treffens dass sogar gern hätten, wenn man sie fotografiert. Also bin ich los, ohne Plan, ohne jede Ahnung, was mich dort erwartet.
Was dann geschah, kann ich selbst jetzt, 2 Tage später kaum in Worte fassen. Im Palmengarten  beim Victorianischen Picknick zog mich diese Veranstaltung völlig in den Bann. Schlagartig wurde  ich ins 18. Jahrhundert versetzt. Mit dem ersten Auslösen der Kamera, geschah etwas Wundersames mit mir. Das Phänomen des Steampunk ergriff von mir Besitz, die Uhr war gestellt, es ging zurück….

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Klar hatte ich irgendwann, irgendwo schon ein paar Fotos gesehen vom einem Gothik-Treffen. Schwarze, Gruftis, Punks und andere scurrille Gestalten.
Doch auf das, was mich hier erwartete, war ich nicht vorbereitet. Es spazierten mit mir Menschen in die schön angelegte Parkanlage, die so garnicht in unsere Zeit, in dieses Jetzt und Hier der Moderne zu passen schienen.
Anfangs hatte ich noch so Gedanken, wie : „Das ist bissl wie Fasching im Kopf!“. Doch das änderte sich schnell. Denn hier war ich die Maskierte, die die sich zum Narren machte, in einfachen Jeans und Fleecejacke mit schmuckloser Digitalkamera am Hals. Ich war auf den ersten Blick völlig fehl am Platz . Das heißt nicht ganz, denn mit mir waren noch -zig Hundert andere Fotografen zu Gange, wir bildeten den krassen Gegensatz, wenn man es nüchtern betrachtete. Wir waren das störende Beiwerk in dem Szenario, das sich so ganz natürlich, so selbstverständlich vor mir ausbreitete, als gäbe es garnichts anderes, als wäre nicht 2016 sondern z. B. anno 1838.
Es war unwirklich, es war zauberhaft und ich  bin noch heute von diesem Zauber gefangen.

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Immer mehr Menschen strömen in den Park. Männer mit Hut und Zylinder, Frauen in Reifröcken und Miedern, mit so ebenso kunstvoll wie fantasiereichen Roben und Kleidern. Das Auge eines Fotografen erfährt hier einen Schock. Unwillkürlich überkommt mich eine derartige Reizüberflutung, das im Kopf eine regelrechte Explosion statt findet. Ich möchte alles, aber auch alles in die Kamera quetschen, jedes Detail auf die Speicherkarte bannen. Doch das ist schier unmöglich, wie in einem Theaterstück, erschafft sich das ganze Szenario von Moment zu Moment neu. Jeder Wimpernschlag ein neues Bild.
Man muss verdammt schnell sein, blitzschnell reagieren und sich gegen die vielen anderen Fotografen durchsetzten, um wirklich hautnah dabei zu sein und die schönsten Momente zu erwischen.

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Schon nach zwei Stunden kann ich in dem Gerangel, um die besten Shootingplätze kaum noch mithalten, ich weiß garnicht mehr wer und wo ich bin. Völlig aus der Zeit heraus katapultiert. Ich sehe um mich herum all diese außergewöhnlichen Menschen im Gras auf bunten Decken liegen. Sie haben ihre Picknickkörbe ausgepackt, kleine süße Törtchen auf kunstvolle Etageren gesetzt. Frische Weintrauben liegen appetittlich in Weidenkörben und braune Brotlaibe liegen auf weißen Tüchern am Boden und ich … ich stolpere dazwischen herum.
Die Festivalbesucher plaudern miteinander, lachen schwatzen und nehmen die Schar von Knipsern kaum war. Man steht beisamen mit spitzenbesetzten Sonnenschirmen und Häubchen, man kennt sich und amüsiert sich über uns Fotografen. Es ist gelebter Steampunk, nachgelebte Victorianische Epoche. Und ich staune mehr und mehr, alle Altersgrupen sind vertreten, jeder Menschenschlag und nichts wirkt auch nur ansatzweise gestellt oder gekünselt, alles normal. Achtzehntes Jahrhundert eben, nur wir zerstören dieses romatische Bild. Wir, die Fotografen, die wir auf der Jagd nach dem schönsten Foto sind. Die Herren und Damen des Retro-Looks wollen dinnieren, flanieren und diese Zeitreise genießen und ab und zu werfen sie uns ein mildes Lächeln zu und stellen sich in Pose. Wir sollen wohlwollend, auch etwas von diesem Fest der Sinne haben.

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Als ich jetzt stundenlang, die Fotos heraus gesucht habe, die ich euch zeigen möchte, habe ich noch immer tausend Geschichten im Kopf. Geschichten von dem blonden zarten Püppchen im weißen Köstum, das so zerbrechlich wirkte, das ich fast Angst hatte, die junge Frau zu fotografieren und von ihrer Governante, die abseits und gestreng das ganze Treiben der Fotografen beobachtete. Und vom Parkwächter, der wohl für Ordnung im Park sorgt und der aufmerksam über seine Nickelbrille schaut und auf Fräulein Luina wartet, die ihn immer mit ihren langen Wimpern anhimmelt. Alles wirbelt im meinem Kopf durcheinander, die Vampire und kleinen und großen Teufelchen, die Frau mit den Sonnenstrahlen auf dem Kopf, die Dame in Schwarz/weiss die wie eine Domina, fast furchterregend über die Wiese wandelt und das Mädchen mit dem roten Augen und…und…und….

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Ich könnte noch so Vieles schreiben, doch nichts würde auch nur annähernd an dieses unerwartete Erlebniss heran kommen, es auch nur ansatzweise wirklich beschreiben. Deshalb habe ich die anderen Bilder in einer Slideshow zusammengefasst und ihr könnt selbst reisen, durch dieses Picknick im Park, durch ein Stück Victorianische Zeitepoche mit den Steampunks.
Und wer weiß, vielleicht infiziert es euch genau so schnell wie mich und wir sehen uns nächtes Jahr zu Pfingsten SCHWARZ in LE zum Wave-Gothik-Treffen im Palmengarten.

Mit hochachtungsvollen lieben Grüßen
Eure Silvia (die „böse“ Fotografin) 😉

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2 thoughts on “Schwarz in LE – das Szenario

  1. Heidi Mattes says:

    Liebe Sylvia,
    ich muss gestehen das ich im Moment nicht richtig weiss was ich schreiben soll.
    Ich weiss nicht was mich mehr begeistert. Deine Bilder, oder deine so inbrünstig geschriebenen Worte.
    Du hast hier einen wunderschönen Bericht ( nein keinen Bericht…geschriebene Gefühle ) über diese faszinierende Welt
    geschrieben. Ich danke dir dafür.
    Liebe Grüsse Heidi

    • Silvia Bürger says:

      Meine liebe Heidi, nun bin ich sehr berührt…das freut mich sehr, wenn beides so gut ankommt. Danke. Ich bin aber auch heute noch sooo fasziniert von dem Spektakel, es war unglaublich. Und ich emfpinde einfach immer so viel, es ist fast in Bildern allein nicht mehr auszudrücken 😉
      Schönen Pfingstmontag wünsche ich dir noch.

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