Puderzuckersternenstaub-Fotografie Silvia Bürger

Puderzucker-Sternenstaub

Vom Lächeln der Mürbeteigsternchen oder doch ein klitzekleines Weihnachtsmärchen?

Wie jedes Jahr kurz vor Weihnachten sind wir alle wieder im Stress. Warum nur kommt Weihnachten immer so plötzlich? Alles muss jetzt schnell gehen, damit wir dann…zum Fest….endlich Zeit haben.
So war es auch bei mir letztes Wochenende zum 3. Advent, als ich mir dachte, du musst schnell noch ein paar Plätzchen backen. Schnell, schnell, schnell und der große Zeiger der Pendeluhr rückt unaufhaltsam vorwärts.
Sehnsüchtig denke ich an die Adventszeit mit den Kindern zurück. Diese stille Vorfreude, dieses glückseelige Erwarten das ihre kleinen Wünsche in Erfüllung gehen.
“ Ach, wie zauberhaft war es doch früher! “ seufze ich und suche hektisch die Backzutaten zusammen. Oder täuscht mich meine Erinnerung, nur weil ich gerade jetzt zur Weihnachtszeit wieder an den Zauber eines Märchen glauben will ?

Ich schlage zwei Eier in die große Schüssel und lasse mir garkeine Zeit weiter darüber nachzudenken. Ich will backen. Schnell. Ich will ein paar von den Vanillekipferl formen, schnell ein paar Schokospritzringe drehen und es sollen dieses Jahr zusätzlich ein paar ganz neue Plätzchen dazu kommen. Ich hatte dieser Tage eine originelle Backidee auf Pinterest entdeckt und fand, diese Plätzchen sind einfach schnell zu backen und witzig obendrein.
Kleine Mürbeteigsterne mit lächelnden Gesichtern sollten es werden. Ganz einfach, ganz schnell. Mit ein paar bunten Schokolinsen in den Armen.
Ich stehe also in der Küche mit dem Blick zur Uhr und den Händen in der Teigschüssel. Los gehts, der Mürbeteig ist schnell geknetet, schnell durchkühlt und noch schneller sind die Sternlein ausgestochen. Auf dem Backblech bekommt jedes von ihnen noch schnell eine Schokolinse unter den Arm gedrückt, bevor sie im Ofen verschwinden. Keine 10 Minuten später hole ich sie wieder heraus.
Das ging wirklich schnell!  Gut gemacht, denke ich und beglückwünsche mich selbst zur schnellen Umsetzung dieser Idee. Nachdem die Plätzchen ausgekühlt sind bekommen sie von mir den letzten Feinschliff. Ich male ihnen mit Zuckerschrift ein Lächeln ins Gesicht und fertig ist die Weihnachtsbäckerei. So schnell geht´s.

Dachte ich zumindest im ersten Moment, denn wie sie da so lächelnd vor mir liegen, diese witzigen, einfachen, schnell zubackenden Mürbeteigsterne, kommt mir die Idee, dass das Gebäck auch eine gute Vorlage für ein weihnachtliches Foodfoto wäre. Ihr wißt doch, meine neue Leidenschaft – Foodfotografie

Mit erneutem Blick zur Uhr sage ich laut zu den Plätzchen: „Das geht bestimmt auch noch ganz schnell!“  und schnappe mir schon die Kamera. Das komplette Equipment ist schnell aufgebaut, das Stativ, die Holzplatte für den Untergrund und die Aufhellplatten aus Styropor. Nachdem ich noch schnell etwas Platz schaffe in meinem improvisierten Foto(Schlaf)zimmer, liegen die Sterne auch schon auf dem Dekobrettchen und et voilá … voller Freude strahlen sie mich an. Die meisten von Ihnen jedenfalls. 🙂

Puderzuckersternenstaub-Fotografie Silvia Bürger Bild 1

Ich richte die Kamera ein, probiere welches Objektiv sich am besten eignet, verändere mehrfach den Standpunkt des Stativs und plötzlich habe ich das Gefühl, die Sternchen lachen mich garnicht mehr an, sondern vielmehr aus.  Was gibt es denn zu grinsen ?!  Ich will doch nur schnell ein schönes Foodfoto von ihnen machen.  So vertiefe ich mich, vorsichtig kopfschüttelnd, weiter in die Wahl verschiedener Blenden und Verschlußzeiten. Mein Blick ist konzentriert durch den Sucher auf die Plätzchen gerichtet und ich bemerke nicht, wie nun die Zeit immer langsamer tickt.

Ganz in diese Szenerie der kichernden Sternchen versunken, höre ich dann ein leises Wispern. „Schnell, schnell, schnell!“ piepst es von irgendwoher.  Ich frage mich, ob mir mein Kopf einen Streich spielt oder könnte es von den Sternchen kommen, die ich skeptisch immer wieder hin und her schiebe ?! Irgendetwas fehlt mir noch für ein gutes Foodfoto in dieser Sternenszenerie.
Deshalb streue ich wenig später emsig Puderzucker über das helle Holzbrett, wie Frau Holle den Schnee auf unsere Erde, in der Hoffnung dass das im Foto später gut wirkt. Und ich hole noch ein paar Teelichter aus dem Wohnzimmer, denn jetzt bin ich so richtig in Fahrt.
Ein bisschen Lichterglanz-Bokeh im Hintergrund wäre doch auch noch schön, denke ich. Soviel Zeit muss einfach sein und dann höre ich diese Weihnachtssterne wieder kichern. Ich glaube sie zappeln sogar umher, immer wenn ich den Blick auf das Kameradisplay richte, um die Einstellungen zu prüfen und sie nicht direkt im Visier habe, habe ich das Gefühl es tut sich was  auf dem Dekobrett. Und tatsächlich, der Puderzuckerkarton kippt plötzlich um, verstreut den süßen feinen Staub über das gesamte Brett und jauchzend veranstalten die Sterne spontan eine Puderzuckerrutschparty.

Puderzuckersternenstaub-Fotografie Silvia Bürger Bild 3

Ich glaube es nicht, reibe mir verwirrt die Augen, doch das Bild unter mir auf dem Fototisch bleibt.  So etwas hatte ich noch nie gesehen. Die Mürbeteigplätzchen huscheln im Puderzuckerschnee fröhlich über das Brett und fallen mir fast aus dem Bild.  „Das wird mir nun aber doch zu bunt!“ rufe ich mit strenger Miene und die quirligen Sterne damit zur Ordnung. Anschließend verfolge ich meinen Plan mit den Teelichtern weiter und stelle sie in nahezu stoischer Ruhe hinter den Plätzchen auf, um damit das gewünschte Bokehflimmern im Foto einzufangen.

Puderzuckersternenstaub-Fotografie Silvia Bürger Bild 2

Rigeros endet damit allerdings die Rutschparty und ich verweise die Sternchen auf ihre Plätze. Ich lege für die nächste Aufnahme nur ein paar einzelne Plätzchen auf das Brett.  Der Rest des Gebäcks wird hinter die Kulissen verbannt. Das heißt hinter diese weißen Styroporplatte die mir, wie gesagt beim Fotografieren zur Aufhellung der Schatten dient.

Hinter der dicken Styroporplatte wird das Kichern leiser. Ich war wohl doch etwas zu streng mit den Sternchen, denke ich, während ich die Auserwählten vor der Platte erneut in verschiedene Positionen bringe. Dann hole ich die Teelichter weiter vor, nur um sie ein paar Aufnahmen später wieder zurück zu nehmen. Ich wechsle immer wieder Sterne aus, weil mir mit jeder Aufnahme mal das eine und mal das andere Plätzchen besser gefällt. Kein Mucks ist mehr zuhören, nur das Knistern der winzigen Teelichterflammen, ansonsten ist es still im Foto(Schlaf)zimmer und selbst die Zeiger der Uhr scheinen ohne Geräusche weiter zu ticken.

Puderzuckersternenstaub-Fotografie Silvia Bürger Bild 5

Puderzuckersternenstaub-Fotografie Silvia Bürger Bild 6

Um die Sternchen so richtig zum Leuchten zu bringen, experimentiere ich lange mit den Teelichtern. Es verstreichen viele Minuten bis ich den Effekt soweit habe, das er mir perfekt erscheint. Ich muss wohl nicht ausdrücklich erwähnen, schnell ging das alles nicht mehr.
Mit einem Mal war so viel Zeit da. Ich sehe, das die Sternchen vor mir tanzen, sie frohlocken mich im Lichterglanz und sie lächeln nicht nur, nein, sie werden durch das Kerzenlicht lebendig. Sie stapfen durch den dicken Puderzuckerschnee und beginnen regelrecht von innen heraus zu strahlen.

Sonntagskaffee-Food-Fotografie Silvia Bürger

Als ich nach unzähligen Fotoaufnahmen alles wieder aufräume und an seinen Platz zurückstelle, sind tatsächlich zwei Stunden vergangen. Wo habe ich diese Zeit nur hergenommen?

Leicht verträumt lege ich die Sternchen vorsichtig  in eine Blechdose und sie zwinkern mir fröhlich zu. Eins, das mit beiden Armen eine roten Schokolinse festhält, flüstert sogar leise: „Es war ein schöne Rutschparty!“
Und während mein Blick das warme Licht der Teelichter noch einmal einfängt, spüre ich, wie sehr mich dieser weiße Puderzucker-Sternenstaub die letzten Stunden verzaubert hat. Eigentlich ist es schade, das der Zauber so „schnell“ vorbei ist. Und ich muss schmunzeln, weil mir jetzt klar wird, warum die Sternchen anfangs so gekichert haben. Schnell, schnell….erinnert ihr euch ?

Puderzuckersternenstaub-Fotografie Silvia Bürger Bild 8

Und ihr Lieben, ihr erkennt jetzt sicher selbst die Moral von der Geschicht`?!
Beim Sternenzaubershooting brauchte es die Uhren nicht !

Oder einfacher gesagt, man sollte sich viel öfter die Zeit für Schönes nehmen, denn man hat sie nie. Und wenn wir ehrlich sind, sind es nicht wir selbst, die wir unserer Zeit die Geschwindigkeit vorgeben?!

Puderzuckersternenstaub-Fotografie Silvia Bürger Bild 7

Mit einem fröhlichem Winken des einzig übrig gebliebenen Mürbeteig-Weihnachtssternchens ( denn die sind wirklich super lecker) wünsche ich euch ein wunderschönes, märchenhaftes Weihnachtsfest mit euren Lieben.

Ich hoffe dieser kleine, etwas andere Einblick in die Foodfotografie hat euch gefallen und ich schicke euch wie immer ganz liebe Grüße
silvia bürger-fotografie

Comments: 2

  1. Christine Lemser says:

    Ach, Silvia,
    heute habe ich Deine Geschichte vom Anfang und Ende gelesen. Momentan kann ich nur sagen: Endlich hast Du wieder schreiben können. Und diese herrlichen Bilder dazu, so vielsagend und aussagekräftig – der Baum mit seinen zwei Seitenarmen, eigentlich nur ein halber Baum – eine treffende Metapher für Verlust, Trennung und Ungleichgewicht. Und die Steine am Meer…Ich bin erschüttert und erinnert. Diese Geschichte verzeihen? Man kann nur Danke sagen für das Vertrauen.
    Danach entdeckte ich erst Dein Weihnachtsplätzchen-Märchen. Was hat es mich gefreut, daß Du zurückfandest zu: Spaß und Begeisterung beim Plätzchenbacken. Und das Du trotz aller Begeisterung aufmerksam warst und die leise Zischelsprache Deiner lachenden Plätzchen verstanden hast, was sie Dir sagen wollten über „nur ganz schnell mal“. Ein ganz süßes Märchen. Ich freue mich für Dich, daß Du solch schöne Augenblicke für uns eingefangen und zu Ende gedacht hast. Sammle weiter schöne Augenblicke und auch solche, die es wert sind, ihnen eine Dimension zu geben. Beides kann sehr heilsam sein. Alles Gute für Dich und viel Gesundheit.
    Herzliche Grüße Christine

    • Silvia Bürger says:

      Liebe Christine, auch ich bin wieder einmal sehr berührt von deinen Zeilen und danke dir von ganzem Herzen dafür. Wir sollten über eine gemeinsame Geschichte nachdenken. Deine und meine Worte in einer Geschichte, das stelle ich mir spannend vor.
      Ich wünsche dir ein gesundes, ein wunderschönes neues Jahr und hoffe wir werden noch viele schöne Geschichten zusammen erleben.
      Ganz liebe Grüße Silvia