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Ich bin umgezogen

Nein, eigentlich nicht ich, sondern mehr meine Fotoleinwände und wenn ich ehrlich bin, die auch nur kurz. 😉
Ihr versteht das nicht !? Dann erzähle euch heute: die kleine Geschichte von einem traumhaften Umzug.

Vielleicht erinnert ihr euch noch an meine Ausstellung im Frühling diesen Jahres, im Rittergut von Endschütz.  Dort hatte ich vorwiegend Fotografien auf Leinwand ausgestellt und ein paar von diesen kleinen Kunstwerken hingen, über den Sommer noch, weiterhin im wunderschönen Kaminzimmer des Gutes. Doch nun war es an Zeit, sie zurück zu holen, nach Hause, zurück in die Großstadt. Es wurde Zeit für einen Umzug, einen Auszug, einen kleinen Rückzug.

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Es war schon ein bisschen Wehmut dabei, als ich die Leinwände im großen Herrenhaus abgehängt habe, denn sie hatten sich in diesem malerischen Ambiente sehr wohl gefühlt.  Aber im Rittergut Endschütz tut sich zur Zeit so Einiges und die Fotoleinwände mußten  ausziehen. Was sich tut, wollt ihr wissen? Etwas Aufregendes, Geheimnisvolles, etwas Großes, aber mehr verrate ich an dieser Stelle nicht. Ihr werdet es nicht glauben, aber ich kann auch schweigen. 😉

Ich laufe also, die Leinwände in den Armen, durch ein quirliges Treiben über den Hof des Gutes und komme an dem kleinen Corttage vorbei.  Das malerische Häuschen liegt etwas abseits und  scheint völlig unbeeindruckt, von der lautstarken Betriebsamkeit im großen Herrenhaus. Es schlummert im sommerlichen Frieden, zugewachsen durch üppig blühendes Grün , fast einem Dornröschenschlaf gleich. Das winzige Haus zieht mich durch diese märchenhaften Ausstrahlung magisch an. Es winkt mir fröhlich zu, mit offener Tür, so scheint es. Ich halte kurz inne, drehe mich um und gehe wieder ein paar Schritte zum Haus  zurück. „Warum eigentlich nicht!?“, denke ich während meine Augen über diese verträumte Szene wandern und mir kommt da plötzlich eine Idee.

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Ich stelle die Leinwände vor das Corttage und schaue mich vorsichtig um.  Von Ferne, höre ich die Stimmen, derer, die auf dem Hof des Ritterguts emsig arbeiten. Mich bemerkt hier niemand. Das ist gut so, für meine spontane Idee, für meinen kleinen geheimen Plan. 😉
Ich werde die Leinwände hier noch einmal aufhängen und sie, sogesehen, klammheimlich fotografieren. Sie passen einfach zu perfekt in das kleine Häuschen, das ich garnicht anders kann. Keiner wird es merken und genau DAS wollte ich schon immer mal tun.
„Das wird eine wunderschöne Präsentation!“, sage ich leise zu den Bildern, „Ihr werdet sehen!“
Innerhalb weniger Minuten bin ich der Außenwelt völlig entrückt.  Ganz verzaubert !

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Ist das nicht eine schöne Idee !? Die Leinwände ziehen kurzerhand vom Herrenhaus ins Corttage, was für ein traumhafter Umzug. Ein letzter großer Auftritt, bevor sie hier abtreten.
Also hinein mit ihnen, in das hübsche Häuschen und schnell die Kamera geholt. Ich schleiche mich flinken Fusses zum Auto und wieder unbemerkt zurück zum Haus.

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Alle Leinwände sind noch da, als ich wieder ans Häuschen komme, gänzlich unberührt. Zum Glück. Die Menschen im Hof haben viel zu viel zutun und ich mache mich jetzt auch sofort an die Arbeit. Ich brauche für diese Aufnahmen keine Deko, keine besonderen Arrangements oder zusätzliche Beleuchtung. Alles ist einfach so perfekt, wie es gerade JETZT ist ! Die Leinwände und das Corttage gehen augenblicklich eine zauberhafte Sympiose ein. Ich liebe dieses Hüttchen und natürlich meine Fotografien. 😉
Die Sonne belächelt mein Treiben von draußen, strahlt durch Tür und Fenster, es ist ganz still hier drinnen und unglaublich friedlich. Zwischen dem Klicken der Kamera, kann ich mich selbst atmen hören und sogar das Summen der zahlreichen Bienen und Hummeln im wilden Grün vor den Fenstern kann ich hören und die Windstille…. ja wirklich, sogar die !
Bei jedem Fokussieren halte ich automatisch die Luft an, als würde sonst der Zauber verfliegen. Ich will diese kurzen traumhaften Momente tief in mir aufnehmen, ich will sie noch ganz lange im Herzen nachspüren.

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Für ein paar köstliche Minuten lang, scheint die Zeit tatsächlich still zustehen. Etwas, das ich im Rittergut immer wieder erlebe und was mich immer wieder an diesen idyllischen Ort zurück zieht. Es ist wundervoll!

Meine Blicke wandern durch den einzigen Raum dieses Corttages. Ich nehme jedes Detail wahr, rostige Kleiderhaken auf grobem Rauputz, ein eisernes Bettgestell mit kunstvollen Schmiedearbeiten. Kleine massive Holztische, mit alten Töpfen und Krügen bestückt und fast erwarte ich, das eine Magd durch die Tür tritt. Breit lächelnd, mit einer schweren Milchkanne vor der Brust.

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Meine Leinwände wirken hier, als hätten sie schon immer da gestanden. Jahrhunderte lang, ebenso wie das alte Gebäude. Sie gehören in dieses Zimmer, in dieses kleine Haus, in diese Zeit….

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Nachdem ich alles fotografiert habe, sitze ich mich mit klopfendem Herzen auf einem weißen Holzstuhl, mein Plan ist geglückt. Alles ist, wie gewünscht im „Kasten“ und niemand hat meinen kleinen Umzug bemerkt. Ich bin einfach nur  glücklich.
Ein letztes Mal will ich diese ganze wunderschöne Szenerie in mich aufnehmen und genießen. Noch einmal lasse ich meine Augen durch das Corttage schweifen, Zentimeter für Zentimeter und an einem Spiegel kommen sie plötzlich zum Stehen. Von dem Stuhl aus, auf dem ich sitze, müsste ich mich eigentlich darin sehen ? Doch wo bin ich ?

Ist am Ende alles nur Zauber ? Nur ein Traum ?
Die Idee eines zauberhaften Umzugs nur Illusion, für Sekunden?!

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Ein lautes Scheppern, das plötzlich vom Hofplatz herüberdringt, holt mich schlagartig zurück. Eine Metalleiter muss umgestürzt sein, denke ich erschrocken und  höre, wie irgendwo ein Auto angelassen wird und im nächsten Moment rauscht es auch schon am Corttage vorbei.

Ich bin zurück, der Tag hat mich wieder. Mein Spiegelbild lacht mich jetzt aus, es feixt sich eins. Wo war es vorhin ?
Ich packe schnell die Kamera in die Fototasche, sammle meine Leinwände wieder ein, klemme sie unter die Arme und trete hinaus. Die Sonne blendet mich nun, so das ich kurz die Augen zukneife und den Kopf leicht schüttle. Dann laufe ich glückseelig zum Parkplatz.

Es war ein traumhafter Umzug ! Momente des unerwarteten Glücks und ich danke dir, liebes Rittergut. Machs gut, mein kleines Corttage. Wir sehen uns bald wieder.

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6 thoughts on “Ich bin umgezogen

  1. Christina says:

    Wow ist das schön!
    Die Bilder passen wirklich perfekt und ich kann Dich verstehen, dass Du sofort einziehen möchtest
    Hach

    • Silvia Bürger says:

      Hallo Christina, vielen Dank für deine lieben Zeilen. Es freut mich sehr,das dir die Bilder und das Hüttchen so gut gefallen. Es wird auch bald Neuigkeiten vom schönen Rittergut geben, mit schönen Bildern. 🙂
      Liebe Grüße Silvia

      • Christine Lemser says:

        Guten Morgen Silvia,
        wunderschöne Bilder und wunderschön- zarte Beschreibungen über die Faszination Corttage. Ich sehe und lese sie nicht zum ersten Mal, man kann sich immer wieder hineinbegeben, hineinversetzen in diese andere Welt. Schön und heilsam, man kann sich nur bedanken.
        Warte nur, es wird bald Frühling. Und alles steht wieder in einem anderen Licht. Weitere schöne Fotomomente wünsche ich Dir… ja, wir profitieren ja auch sehr davon, wenn Du sie uns zeigst.
        Liebe Grüße Christine und Danke.

        • Silvia Bürger says:

          Meine liebe Christine, ich bin dir immer wieder von ganzem Herzen dankbar für deine Zeilen.

  2. Alice says:

    Wunderbar schön, das Teestübchen ist die perfekte Kulisse für Deine Leinwände!
    LG Alice

    • Silvia Bürger says:

      Danke liebe Alice,meinst du wirklich,das dass Corttage mal ein Teestübchen war? Das wusste ich nicht. Aber es ist ein so schönes kleines Häuschen, ich möchte jedesmal dort ein ziehen, wenn ich in Endschütz bin.♡
      LG Silvia

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