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Hanami

HANAMI – ein Kirschblütenfest.


Sonntagvormittag und ich bin unterwegs nach Bad Langensalza. Ich habe mir für meinen heutigen Fotospaziergang den Japanischen Garten ausgesucht und freue mich sehr darauf.
Der Garten der Glückseligkeit , so verkündet es die Internetseite. Ein Ort der Ruhe und Entspannung. Und genau das möchte ich heute und ich möchte Motive im Sinne des Zen fotografieren,  meinen Geist sammeln und in Versunkenheit entspannen.  Ich möchte in die Welt eines fernöstlichen Zaubers eintauchen.
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Strahlender Sonnenschein begleitet  mich während der ganzen Autofahrt und zaubert mir damit schon mal ein Lächeln ins Gesicht.  Ich genieße diese wohltuende Wärme. Der leicht unterkühlte Frühling  hat uns dieses Jahr noch nicht allzu viele Sonnentage geschenkt und ich bin dem Wettergott heute sehr dankbar für dieses wohltuende Sonnenglück, auch wenn er es mit kühlem Wind gemischt hat.

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Ich bin gespannt auf den Japanischen Garten und mir geht immer wieder ein Satz der Internetseite durch den Kopf. „Genießen Sie in dieser Oase sanft plätschernde Wasserfälle und verweilen Sie am Platz der heiligen Bäume.“
Genau diese Worte haben mich verlockt, hierher zukommen und als ich nach eineinhalbstündiger Fahrt aus dem Auto steige, bin ich voller Neugier und freudiger Erwartungen.

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Doch schon auf dem Parkplatz wird mir klar, das ich nicht die einzige bin, die an diesem Sonntag in dem kleinen Garten Entspannung finden will. Es sind deutlich mehr Menschen unterwegs, als ich erwartet hatte und es sind einige unter ihnen, deren seltsame Kostümierung ich nicht verstehe. Es braucht auch eine ganze Weile bis ich erkenne, was diese vielen Menschen durch die Tore des Gartens strömen lässt.
Es ist HANAMI – Kirschblütenfest. Eine wohl weithin bekannte Attraktion, die mir die Webseite des Gartens allerdings nicht auf den ersten Blick verraten hatte.
Ein lange Reihe Wartender staut sich schon am Eingang vor dem Kassenhäuschen. Es wird von zwei japanischen Wachsoldaten beschützt und ich stelle mich brav hinten an, nicht ohne immer wieder vorsichtige Blicke auf diese finster wirkenden Gestalten zu werfen. Ich frage mich während des Wartens, ob ich hier heute richtig bin ? Werde ich finden, was ich suche?
Einen Garten der Glückseeligkeit !? Entspannung und Stille?

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Das Bild, daß sich mir bietet, als ich endlich die massiven Tore passiere, wirkt auf mich nur kurzzeitig etwas entspannend, denn alles was meine Augen dann sehen, sind hauptsächlich Menschen. Viele Menschen, inmitten eines winzigen Hauchs von japanischem Flair.

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Ein kleines Teehaus und der Pflanzenpavilion, die meine Blicke etwas später auf sich ziehen sind von zahlreichen Besuchern umringt. Auf allen Wegen tummeln sich die Gäste zwischen noch mehr Menschen in bunter Kostümierung. Ich treffe auf junge hübsche Mädchen in Geisha-Gewändern, furchteinflössende japanische Krieger und auf Menschen in puppenähnlichen Verkleidungen, wie man sie aus der Manga-Szene kennt.
Sie alle wollen das HANAMI feiern und es gehört wohl dazu, das man sich zum japanischen Kirschblütenfest auch optisch entsprechend anpasst.

HANAMI !, HANAMI ?….werdet ihr denken, was ist das denn eigentlich ?

HANAMI ist eine alte japanische Tradition, bei der man die Schönheit der in Blüte stehenden Kirschbäume feiert. Man genießt die rosafarbene Blütenpracht, indem man mit der ganzen Familie und mit Freuden unter den Bäumen gesellig zusammen sitzt, gemeinsam ißt und bei Sake oder Bier plaudert.
Die japansichen Kirschbäume blühen jedes Jahr für nur ca. 10 Tage  und ohne später Früchte zu tragen. Sie scheinen nur für dieses einmalige Fest in überragender Schönheit zu erblühen und diese Einmaligkeit erklärt mir dann auch später den gigantischen Besucherstrom im Garten und den ganzen Wirbel um dieses Spektakel.

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Doch im Moment erdrückt mich dieses massive Menschengewimmel und die laute Musik riesiger Taiko-Trommeln, die sich von irgendwoher in meinen Ohren festsetzt, macht es nicht besser.  Wohin ich meine Blicke auch wende: Menschen, Menschen, Menschen –  eine Oase hatte ich mir anders vorgestellt. Darauf war ich nicht vorbereitet.

Die Sonne kitzelt unterdessen die Menschen aus ihren Jacken. Sie liegen auf den grünen Wiesen, stehen dicht gedrängt auf kleinen gebogenen Holzbrücken und immer wieder kommt der Strom der Schaulustigen zum Stoppen,  weil es an irgendeiner Stelle zu eng wird für so viele Menschen oder einer der vielen Fotografen eine ganz besondere Aufnahme machen will. 

Ich will das plötzlich nicht mehr. Ich kann es jetzt garnicht mehr, meine Gedanken drehen sich durch diese Reizüberflutung im Kreis und meine Augen tuen das Gleiche, auf der Suche nach einem Ruhepol. Verwirrt frage ich mich erneut, ob ich hier richtig bin ?!

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Es irriert mich auch, das die Menschen um mich herum, dieses verrückte Wirrwar zu genießen scheinen. Sie halten einfach mal hier und mal da, betrachten die Kirschblüten, die der Wind von den Bäumen bläst oder sie beobachten in aller Seelenruhe die Kois im Teich zu ihren Füssen. Sie setzen sich völlig entspannt ins Gras, lesen ein Buch oder plaudern einfach miteinander. Ganz so, als gäbe es dieses quirlige Durcheinander um sie herum garnicht .

Staunend bleibe ich vor ein paar Frauen stehen, die zum summenden Ton von goldenen Klangschalen völlig entspannt auf roten Yogamatten liegen. Nicht einmal der kühle Wind, der immer wieder die Wärme der Sonne durchbricht, stört sie bei dieser außergewöhnlichen Meditation. Ich dagegen, schlinge meine Jacke fröstelnd um mich und bin fasziniert von der Gelassenheit dieser Frauengruppe.

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Mir ist aber noch immer ganz anders zu Mute, ich bin noch nicht bereit, mich ebenso willig in dieses Schaupsiel des HANAMI einzulassen. Mein Plan für heute sah doch so ganz anders aus. Wieder kommen mir Zweifel. ..

Aber während ich eine Weile dem monotonen Schlag der Trommel lausche und mich das Schwingen der Klangschalen dann doch sanft im Inneren erfüllt, beruhigt sich mein aufgeregter Geist und findet zurück zur Balance.
Jetzt bin ich einmal hier, sage ich mir aufmunternd, und ich kann, wenn ich meine Augen nur weit genug öffne, auch in diesen unerwarteten Turbolenzen ein paar Momente des Zen und der Ruhe finden.  Das Wesentliche des Zen-Gedankens ist schließlich der eigene Weg. Also packe ich hoffnungsvoll meine Kamera aus und begebe mich auf meinen eigenen Weg. Auf die Suche nach der stillen Glückseeligkeit im Japanischen Garten.

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Mehr und mehr  gelingt es mir dann auch, mich auf dieses ungewöhnliche Treiben einzulassen und am Ende gibt es gar kein störendes Menschengewirr mehr, sondern ich sehe in dem unaufhörlichen Fluß der Gäste, eine bunte Blumenkette, die sich schlängelnd durch die Wege des Japan-Gartens zieht.

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Ich entdecke, die jungen Geisha- Mädchen wieder. Überall posieren sie in ihren farbenprächtigen Kimonos zur Freude der Gäste und vorallem der Fotografen. Es ist, als wollten sie mit der Schönheit der Kirschblüten konkurrieren.
Und langsam beginne auch ich es den anderen Fotografen gleich zu tun, ich fotografiere einfach, was sich mir zeigt und willig bietet. Jeder scheint jeden ins Visier zu nehmen. Es ist eine heitere Szenerie aus Fotografen, die Fotografen fotografieren, gemischt mit den blonden Models im Japan-Look.

Ich folge einfach diesem Tanz der Fotografen und Mädchen. Es beschwingt mich und macht den Kopf frei. Diese sichtbar zu vielen Besucher für einen so kleinen Garten, stören mich nun nicht mehr. Im Gegenteil, ich füge sie mit Leichtigkeit in meine fotografischen Wahrnehmungen ein und der Japanische Garten und ich, wir finden in friedvoller Weise zueinander. 

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Alles fügt sich nun, wie von Zauberhand zu einem harmonischen Ganzen, ganz locker und leicht, wie der rosa Regen aus Kirschblüten der überall auf uns herabrieselt. Zwischen leise plätscherenden Wasserfällen und auf ruhenden Holzstegen wächst in mir ein Garten der Glückseeligkeit. Der zarte Kirschblütenwind hat meine letzten Zweifel zerstreut : hier bin ich genau richtig !

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Immer mehr finden meine Augen in all dem fröhlichen Gewusel dann auch endlich Momente der Ruhe und Versunkenheit. Leise, verträumte Augenblicke und Momente voller Liebe, Leidenschaft und der Stille.

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Eine Vielzahl an Motiven des Zen breitet sich vor mir aus und mir ist völlig unklar, daß mich das alles vor zwei Stunden noch erschreckt hat.
Einlassen, annehmen, wahrnehmen, im Zauber des Augenblicks versinken, das war des Rätsel einfache Lösung.

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Ein äußerst Interessanter Dialog zwischen den vielen Menschen vor und denen hinter der Kamera  entspinnt sich und er ist allgegenwärtig im Japanischen Garten, an diesem sonnigen Sonntagnachmittag unter den heiligen Bäumen zum HANAMI.

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Mit noch ein paar letzten Bilder von diesem überraschend anderem Nachmittag in Bad Langensalza verbleibe ich euch, wie immer mit ganz lieben Grüßen
silvia bürger-fotografie

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